Europa

Mit dem Zug nach Schweden und Lappland: Ein Erfahrungsbericht

Mit dem Zug nach Schweden

Im Winter mit dem Zug nach Schweden? „Nichts leichter als das!“, dachte ich mir, habe die berühmt berüchtigten sieben Sachen in meinen Backpacker geworfen und mich ins Land der Rentiere und Nordlichter aufgemacht.

Zugegeben ganz so leicht ließ sich mein Vorhaben dann doch nicht in die Tat umsetzen. Nachhaltiges Reisen mit dem Zug ist eben doch (noch) nicht so einfach, wie Flugtickets kaufen und in die nächstbeste Billig-Airline steigen – gerade in meinem Fall. Denn ich wollte nicht einfach nur nach Schweden, sondern direkt in den nördlichsten Zipfel des Landes: Nach Abisko in Lappland.

Meine Reise nach Schwedisch Lappland

Relativ viel Zeit bei der Planung nahm die Recherche nach der bestmöglichen Reiseroute in Anspruch. Denn leider fahren nicht alle Züge zwischen Deutschland, Dänemark und Schweden aufeinander abgestimmt und Fahrpläne unterscheiden sich manchmal sogar von Tag zu Tag.

Auch finanziell hat sich das Reisen mit Bahn nicht unbedingt gelohnt: Ein Flug mit Ryan Air oder Norwegian hätte nur einen Bruchteil des Zugtickets gekostet.

Damit ihr für euren Trip mit dem Zug nach Schweden nicht erst das halbe Internet auf den Kopf stellen müsst (zugegeben, ich übertreibe etwas 🙂 ), nehme ich euch mit auf meine Reise von Hannover bis nach Schwedisch Lappland.  

Hier findet ihr meine Reiseroute inklusive aller Zwischenstopps, persönliche Eindrücke zum Reisen im Nachtzug und die wichtigsten Infos zu Ticketpreisen, Ausstattung der Züge und Pünktlichkeit der Schwedischen Bahn.

Kleiner Spoiler vorab: Auch wenn es in der Einleitung nicht so klingt, die Reise mit dem Zug nach Schweden hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Wie komme ich mit dem Zug nach Schweden?

Alle Wege nach Schweden führen über Hamburg. Ihr wohnt in der Hansestadt? Glückwunsch zum kurzen Anfahrtsweg. Alle anderen müssen leider etwas mehr Zeit mitbringen.

Als Hannoveraner hatten wir es noch relativ gut: Mit anderthalb Stunden fiel die Fahrtzeit nach Hamburg im Vergleich zur Gesamtreisezeit kaum ins Gewicht.

Wenn ihr aus größerer Entfernung anreist, sieht das natürlich anders aus: Ab Berlin sitzt ihr knapp zwei, ab Köln mindestens dreieinhalb, ab Leipzig etwas über drei und ab München sogar mindestens fünfeinhalb Stunden im Zug ehe ihr Hamburg erreicht.

Der Weg ist das Ziel

Ob sich eine Zugfahrt nach Schweden dennoch für euch lohnt, hängt zum einen von eurer individuellen Belastbarkeit und Leidenschaft für Zugreisen ab.  Zum anderen ist entscheidend, welche schwedischen Landesteile ihr bereisen wollt.

Während sich die Anreise nach Malmö ab München in etwas über zwölf Stunden, also innerhalb eines Tages, bewältigen lässt, dauert die Fahrt nach Abisko deutlich mehr als doppelt so lange.

Getreu dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ haben wir die lange Anreise nach Lappland ganz bewusst in Kauf genommen und unseren Urlaub schon im Zug nach Hamburg begonnen.

Damit ihr euch ein Bild von der Route machen oder auch nur ein Teilstück nachfahren könnt, gehe ich im Folgenden detailliert auf die einzelnen Streckenabschnitte unserer Reise nach Schweden ein.

Unsere Reiseroute mit dem Zug nach Schweden

Mit dem Zug von Hamburg nach Kopenhagen

  • Dauer: 04:40 h
  • Häufigkeit: bis zu dreimal täglich (aber jahreszeit- und wochentags-abhängig)
Mit dem Zug nach Kopenhagen: Anzeigetafel im Hamburg Hauptbahnhof
Mit dem Zug nach Kopenhagen

Eine positive Nachricht gleich zu Beginn der Schweden-Reiseroute: Es gibt eine Direktverbindung zwischen Hamburg und Kopenhagen. Bis zu dreimal täglich verkehren die Züge der Dänischen Bahn (DSB) zwischen den beiden Metropolen. In nur 4:40 h erreicht ihr so den Hauptbahnhof Kopenhagen.

 Sollte ich in Zukunft irgendwann einmal einen Trip in die dänische Hauptstadt planen, sieht mich die DSB auf jeden Fall wieder. Obwohl die IntercityLyn-Züge von außen nicht den einladensten Eindruck machen, bieten Sie im Innenraum allen Komfort den Zugreisende benötigen. Es gibt kostenloses WLAN, Steckdosen, Gepäckablagen und Stellplatzmöglichkeiten für Fahrräder. Auch für das leibliche Wohl ist mit einem Bord Bistro gesorgt.

InterCityLyn der DSB von Innen
Die Sitzplätze des InterCityLyns

Die Zwischenstationen lassen sich mit Padborg, Kolding, Odense und Ringsted an einer Hand abzählen. Erster Stopp in Dänemark ist Padborg. Haltet hier eure Ausweise bereit, da regelmäßig Grenzkontrollen stattfinden.

Landschaftlich hat mich die Route nach Kopenhagen nicht sonderlich überrascht. Ihr bekommt viele Felder und Wiesen zu sehen. Highlight der Strecke ist sicherlich die Überquerung des Großen Belts. Hier könnt ihr eure Blicke über die im Winter oft stürmische Ostsee schweifen lassen.

Mit dem Zug von Kopenhagen nach Malmö: In 40 Minuten von Dänemark nach Schweden

  • Dauer: 40 Minuten
  • Häufigkeit: Werktags im 10-20-Minuten-Takt
Gleis am Bahnhof in Kopenhagen
Mit dem Zug nach Schweden: Am Bahnhof in Kopenhagen

Der Hauptbahnhof Kopenhagen gefiel mir sehr gut. Meine Freundin und ich fanden uns schnell zurecht und die Architektur des Gebäudes ist sowohl von Innen als auch Außen sehenswert.

Nach einem kurzen Aufenthalt ging es für uns mit dem Öresundståg jedoch schon weiter Richtung Malmö. Den Regionalzug zwischen Dänemark und Norwegen nutzen viele Berufspendler. In puncto Ausstattung ist der Öresundståg in etwa mit dem Deutschen Regionalexpress vergleichbar (es gibt allerdings Steckdosen und einige Züge besitzen sogar WLAN).

Im Öresundståg steht euch weniger Platz zur Verfügung als im InterCityLyn und auch der Komfort bleibt zumindest in Teilen auf der Strecke. Unsere Backpacks mussten wir irgendwie zwischen uns und den Vordersitz klemmen. Für die circa 40 Minuten, die wir in dem Zug verbrachten, war aber auch das kein Problem.

Fahrradmitnahme ist übrigens auch im Öresundståg möglich.

Mit dem Zug über die Öresundbrücke

Auf der kurzen Strecke zwischen Kopenhagen und Malmö gefiel uns besonders die Überfahrt auf der imposanten Öresundbrücke. Sie ist die weltweit längste Schrägseilbrücke für den kombinierten Straßen- und Eisenbahnverkehr. Täglich überqueren circa 17.000 Fahrzeuge und 200 Züge die über sieben Kilometer lange Brücke – eine beeindruckende Zahl.

Aus dem Zug heraus habt ihr einen hervorragenden Ausblick auf den Öresund mit seinen Schiffen und Offshore-Windparks. So etwas erlebt ihr sicher auch nicht jeden Tag.

Seit ihr auf schwedischer Seite angekommen, geht es noch ein kurzes Stück durch mehrere Tunnel und plötzlich fahrt ihr auch schon in den Bahnhof von Malmö ein.

Übrigens: Die Öresund-Züge verkehren im Zehn- bis 20-Minuten-Takt. Verspätet sich eurer Zug nach Kopenhagen um wenige Minuten und ihr verpasst euren Anschluss, könnt ihr mit genügend Pufferzeit in Malmö ganz entspannt auf die nächste Verbindung warten.

Alternative zum Zwischenstopp im Malmö

Neben der Möglichkeit von Kopenhagen über Malmö nach Stockholm zu fahren, gibt es von Kopenhagen aus auch Direktverbindungen in die schwedische Landeshauptstadt. Wenn ihr Malmö nicht zwingend einen Besuch abstatten möchtet, könnt ihr diese Etappe der Reiseroute auf eurem Weg durch Schweden überspringen.

Wir waren bis Malmö jedoch mit einem Sparpreis-Ticket der Deutschen Bahn unterwegs und konnten so ein paar Euro im Vergleich zur Direktverbindung von Kopenhagen nach Stockholm sparen. Denn: Auch ohne Zwischenstopp in Malmö wären wir nicht wesentlich eher in Stockholm angekommen.

Von Malmö nach Stockholm: Mit Highspeed in Schwedens Hauptstadt

  • Dauer: mindestens 04:25 h
  • Häufigkeit: mindestens einmal stündlich (tages- und jahreszeitenabhängig)
Zug bei der Einfahrt in den Bahnhof Malmö
Einfahrt in den Bahnhof Malmö

Die Central Station in Malmö gehört zu den größten Bahnhöfen Schwedens. Sie ist sehr freundlich gestaltet und hat ein einladendes Food-Corner, in dem es bei unserem Aufenthalt ganz verführerisch duftete. Wir nutzten unsere längere Aufenthaltszeit jedoch dazu, die Gegend um den Bahnhof herum unsicher zu machen und uns im kleinen Bahnhofs-Supermarkt mit schwedischen Leckereien einzudecken.

Erste Fahrt im X2000

Auf unserer Fahrt von Malmö nach Stockholm haben wir das erste Mal Bekanntschaft mit dem Hochgeschwindigkeitszug X2000 der schwedischen Eisenbahngesellschaft SJ gemacht.

Die Züge sind ähnlich gemütlich wie die dänischen InterCityLyns. Es gibt ein Bordbistro, Klapptische mit Trinkflaschen-Halterungen, WLAN, Steckdosen, Kopfhöreranschlüsse und darüber hinaus genügend Platz, um euer Gepäck zu verstauen. Fahrräder dürfen in den Zügen der SJ in der Regel übrigens nicht mitgenommen werden.

Mit dem Zug nach Schweden: Bordbistro im SJ 2000
Bordbistro im schwedischen Schnellzug

Der X2000 erreicht bis zu 200 Kilometer die Stunde und ist mit einer speziellen Neigetechnik ausgestattet, die ihn schneller durch Kurven fahren lässt. Leider hat dieses kleine Detail dafür gesorgt, dass ich im Zug weder lesen noch für den Blog schreiben konnte, da sich mein nervöser Magen immer wieder meldete.

Auf der Fahrt von Malmö nach Stockholm bekommt ihr endlich die ersten für das Land so typischen Schwedenhäuser zu sehen. Darüber hinaus dominieren Wiesen, Seen, Kleinstädte und Wälder die Landschaft. Nett anzusehen, aber nicht spektakulär.

Eine Fahrt von Malmö nach Stockholm  dauert circa viereinhalb Stunden  – für 600 Kilometer Strecke gar keine schlechte Zeit. Die Züge zwischen den beiden großen Städten verkehren regelmäßig: Ab Malmö könnt ihr euch (in der Regel) mindestens einmal die Stunde auf den Weg nach Stockholm machen.

Wie alle Schnellzüge der SJ sind auch die X2000-Züge reservierungspflichtig. Euch wird euch direkt mit der Buchung ein Sitzplatz zugewiesen.

Von Stockholm nach Boden: Im Nachtzug nach Lappland

  • Dauer: ohne Umsteigen mindestens 13:07 h
  • Häufigkeit:  circa 2-mal täglich

Stockholm Central: Ein echter Hauptstadtbahnhof

Bevor ich zum wohl spannendsten Teil unserer Reise mit dem Zug nach Schweden komme, einige Worte zu Stockholms Central-Station.

1871 eröffnet, versprüht gerade das Hauptgebäude der Station einen besonders altehrwürdigen Charme. Ich fühlte mich beim Betreten der Eingangshalle für einen Moment ins 19. Jahrhundert zurückversetzt und habe insgeheim gehofft, dass einer der anderen geschäftigen Reisenden gleich eine vergoldete Taschenuhr aus der Manteltasche zieht oder den Zylinder zückt. Leider ist nichts dergleichen passiert. Das Schlendern durch den alten Teil des Gebäudes hat trotzdem Spaß gemacht.

Die neueren Bereiche des Bahnhofs sind sehr funktional gestaltet und für die Wege zu den einzelnen Gleisen braucht es gefühlt auch mal länger (zumindest wenn ihr es wie wir sehr eilig habt). Euch bleibt nur wenig Zeit zum Umsteigen? Dann trödelt besser nicht.

Mein Tipp: Wenn euch ein längerer Aufenthalt in Stockholm gegönnt ist, dann nutzt die Zeit für eine Mini-Sightseeing-Tour. Die Innenstadt liegt nur einen kurzen Fußmarsch entfernt.

Ausblick auf Stockholm
Ein kurzer Spaziergang Richtung Innenstadt von Stockholm

Von Stockholm nach Boden im Nachtzug

Mit über zwei Stunden Verspätung (siehe Abschnitt Zugverspätungen in Schweden) rollte der Nightjet D92 der SJ kurz nach 23 Uhr endlich in die schwedische Nacht und unsere Reise ging in die heiße Phase.

Buchungsmöglichkeiten: Privatabteil, Mehrbettschlafwagen oder doch nur einen Sitzplatz?

Sitzplatzreservierung

Wenn ihr mit dem Nachtzug nach Schweden fahrt, könnt ihr euch zwischen mehreren Übernachtungsmöglichkeiten entscheiden. Eine Variante ist die Sitzplatzreservierung. Das bedeutet: Wenig Komfort für wenig Geld. Diese Reisevariante eignet sich dementsprechend eher für die Hartgesottenen oder wahren Pfennigfuchser unter euch.

Sechsbett-Abteil

Als zweitgünstigste Variante könnt ihr euch ein Plätzchen in einem Sechsbett-Abteil sichern und auswählen, ob ihr in einem gemischt- oder getrenntgeschlechtlichen Raum nächtigen wollt. In dieser Abteil-Kategorie stehen euch auf bemerkenswert engem Raum je drei übereinander angeordnete Hochbetten auf jeder Seite zur Verfügung – es wird also kuschelig und sicher auch ziemlich unterhaltsam.

Dreibett-Abteil

Wir haben uns auf unserer Reise schon fast für die Premium-Variante entschieden: Ein getrenntgeschlechtliches Dreibett-Abteil.  Auch in diesen „Schlafräumen“ wurden die Betten übereinander positioniert und ich musste mich etwas überwinden, um über die an der Wand befestigte Leiter in die oberste Schlaf-Koje direkt unter die Decke zu klettern.

Schlafabteil im schwedischen Nachtzug von Innen
Zähneputzen with a View: Schlafabteil im Nachtzug nach Lappland

Glücklicherweise sind die beiden oberen Betten durch  Netze gesichert, die sich mit einem Anschnallgurt schließen lassen. Richtig hoch ist diese Barriere jedoch nicht. Dementsprechend habe ich mich nachts lieber Richtung Wand orientiert (sofern das im Tiefschlaf überhaupt möglich war).

Tagsüber könnt ihr das mittlere und untere Bett übrigens in eine bequeme Sitzbank verwandeln auf der drei Leute nebeneinander problemlos Platz haben.

Privat-Abteil und 1. Klasse

Noch mehr Privatsphäre gibt es, wenn ihr ein Abteil ganz für euch alleine reserviert. Ihr bekommt in diesem Fall ebenfalls ein Dreibett-Abteil zugewiesen, müsst es aber mit niemand Fremdes teilen.

Getoppt wird das Privatabteil nur noch durch die 1. Klasse. Hier dürft ihr euch zusätzlich zum eigenen Schlafraum über eine private Toilette und Dusche aber dementsprechend auch ambitionierte Preise freuen.

Rückblickend bin ich mit unserer Entscheidung für das getrenntgeschlechtliche Dreibett-Abteil sehr zufrieden. Trotz der ungewohnten Schlafsituation konnte ich mich über Nacht gut erholen, da wir Mädels gut aufeinander Rücksicht nahmen. Das habe ich in Hostels leider schon ganz anders erlebt.

Abteilausstattung

Im Dreibett-Abteil unseres D92 Nightjets befanden sich neben den drei Betten ein Waschbecken inklusive Spiegel, Steckdosen, kleine Nachtleuchten sowie einige (wenige) Haken und Ablageflächen für Kleidung. WLAN ist kurioserweise (Stand März 2020) im ganzen Zug nicht verfügbar. In diesem Punkt hätte ich mir vor den Schweden mehr erwartet.

Schlafabteil im schwedischen Nachtzug bei Tag
Schlafabteil im schwedischen Nachtzug bei Tag

Zimmerkarten

Damit Unbefugte keinen Zutritt zu eurem Abteil haben, gibt es, ähnlich wie in den meisten Hotels, Zimmerkarten. Seid ihr die ersten Reisenden, die das Abteil betreten wollen, steckt die Zimmerkarte in der Tür. Haben andere den Raum schon vor euch „eingeweiht“, müsst ihr klopfen und um Einlass bitten.

Jedes (Dreibett-) Schlafabteil verfügt über drei Schlüsselkarten. Damit ihr euch nicht ausschließt, überprüft vor dem Verlassen des Raums immer, ob ihr eine Karte dabei habt. Denn (fast) nichts ist schlimmer, als nach einem Toilettengang mitten in der Nacht plötzlich vor der versiegelten Zimmertür zu stehen.

Neben Zimmerkarten gibt es übrigens auch eine extra markierte Karte für die Dusche.

Toiletten und Duschen im Nachtzug nach Lappland

Vermutlich geht es euch ähnlich: Bin ich sonst im Zug unterwegs, versuche ich die Sanitären Anlagen so gut es geht zu meiden. Bei einer über 13-stündigen Zugfahrt gelangt jedoch auch die härteste Blase an ihre Grenzen. Also Nase zu und durch.

Die Toiletten der 2. Klasse befinden sich auf dem Gang und unterschieden sich rein optisch nicht groß von den Klos in anderen Regional- und Schnellzügen. Pro Waggon gibt es mindestens drei Toiletten sowie separat noch einmal ein bis zwei kleine Räume mit Waschbecken und eine Dusche.

Die Anzahl an Toiletten empfanden wir insgesamt als ausreichend. Lediglich zu morgendlichen Stoßzeiten mussten wir die eine oder andere Minute warten.

Zähneputzen könnt ihr glücklicherweise sogar im Zimmer. Denn, wie bereits erwähnt, steht euch hier (zumindest in den Dreibett-Abteilen) ein weiteres Waschbecken, inklusive Spiegel zur Verfügung.

Duschen im Nachtzug

Unerschrocken wie ich bin, habe ich natürlich auch die Dusche im Nachtzug nach Lappland getestet. Ich kann euch sagen: Es ist gar nicht so einfach, sich in einem fahrenden Zug auszuziehen, abzubrausen und hinterher wieder anzuziehen.

Zudem waren die Duschen (zumindest in meinem Fall) von unterschiedlicher Qualität: Während ich mich auf der Hinfahrt mit spärlichem Wasserfluss begnügen musste und die Glastür als Spritzschutz bei jeder Kurve aufging, erfreute mich meine Dusche auf der Heimweg mit voller Funktionstüchtigkeit.

Immerhin: Sauber waren beide Kabinen. Vermutlich lag das vor allem daran, dass sich die Beliebtheit vom Duschen in Zügen dann doch in Grenzen hält – zumindest deutete die am nächsten Morgen noch immer mit frischen Handtüchern überfüllte Ablage im Duschabteil darauf hin.

Es gibt in der Duschkabine übrigens sogar einen Föhn.

Bordrestaurant im Nachtzug nach Schwedisch Lappland

Bordrestaurant im schwedischen Nachtzug nach Lappland
Das mäßig gemütliche Restaurant im Nachtzug nach Lappland

Wie in Schnellzügen üblich, gibt es auch im schwedischen Nachtzug der SJ ein Restaurant. Hier könnt ihr eine warme Mahlzeit einnehmen oder euch ein Heißgetränk gönnen. Auf unserer Reise machten viele Schweden tatsächlich davon Gebrauch.

Wir waren sowohl auf Hin- als auch Rückfahrt gut mit Essen und Trinken ausgestattet, sodass wir dem Restaurant-Wagen nur einen kurzen Besuch abstatteten und uns anschließend wieder in unser weniger überfülltes, ruhiges Schlafabteil zurückzogen.

Zu den Preisen der Speisen und Getränke kann ich deshalb leider nichts sagen. Ich gehe aber davon aus, dass ihr mit den üblichen schwedischen (also für deutsche Verhältnisse vergleichsweise teuren) Preisen inklusive einem kleinen Aufschlag fürs Zugfahren rechnen müsst.

Reist ihr in der 1. Klasse ist ein kleines Frühstück für euch im Ticketpreis inbegriffen.

Reisen im Nachtzug: Ein kleines Zwischenfazit

Waggon eines schwedischen Nachtzugs der SJ von außen
Mit dem Zug nach Schweden: Schwedischer Nachtzug von außen

Als unser Zug am nächsten Morgen pünktlich in Boden einläuft, fühle ich mich relativ fit. Natürlich ist das Schlafen im Zug nicht mit einer Übernachtung im Hotel vergleichbar und  da wir in Stockholm mit einer Verspätung von über zwei Stunden losgefahren sind, musste unser Lokführer auf der Strecke ordentlich Gas geben. Dementsprechend bin ich nachts immer wieder auf meiner Matratze hin- und her gerutscht und aufgewacht. Auch die Zuggeräusche und das regelmäßige Hupen an Bahnübergängen haben den Schlaf nicht erholsamer gemacht.

Nichtsdestotrotz hat mir das Reisen im Nightjet gefallen. Im Vergleich zum Flieger könnt ihr euch im Nachtzug jederzeit frei bewegen und habt sogar ein eigenes Bett, was tausendmal angenehmer ist, als ein notdürftig nach hinten geklappter Flugzeugsitz.

Einen meiner Lieblingsmomente auf meiner Reise erlebte ich dann auch direkt morgens im Zug als ich zähneputzend am Fenster stand und die atemberaubende Landschaft Lapplands an mir vorbei zog – irgendwie ein surrealer Moment aber gleichzeitig verdammt cool.

Während der ganzen Fahrt von Deutschland nach Lappland gab es eigentlich nur einen einzigen Wehrmutstropfen: Meine immer mal wieder aufflammende Reiseübelkeit. Seid ihr ähnlich empfindlich wie ich, habt also besser ein oder zwei Reisekaugummis parat.

Mit dem Zug von Boden nach Abisko: Hello Lappland

  • Dauer: 4:57 h
  • Häufigkeit: 2-mal am Tag
Bahnhof Boden Central in Nord-Schweden
Morgenstimmung am Bahnhof in Boden im Norden Schwedens

Die Station in Boden eignet sich im Winter vor allem für eins: zum Umsteigen. Denn richtig viel außer Schnee, Schnee und nochmal Schnee gibt es in bahnhofsnähe nicht zu entdecken. Glücklicherweise mussten wir nur wenige Minuten auf unseren Anschlusszug warten und konnten uns schnell auf die letzte Etappe unserer Reise durch Schweden machen. 

Die folgenden 308 Kilometer nach Abisko absolvierten wir im reservierungspflichtigen IC96 von SJ. Klapptische, Getränkehalter, Steckdosen, WLAN und ein Bistro gehören auch hier zur Grundausstattung. Der IC ist etwas gemächlicher unterwegs und für die vergleichsweise kurze Strecke nach Abisko benötigt ihr noch einmal knapp fünf bis fünfeinhalb Stunden.

Im Winter werden ihr dafür jedoch mit einem atemberaubenden Blick über die schneeweiße Landschaft Lapplands entschädigt. Während zunächst noch Kiefernwälder die Aussicht dominieren, verirren sich im Laufe der Fahrt immer mehr kahle Birken in euer Blickfeld.

Abgesehen davon habt ihr meist freie Sicht auf schneeweiße Hügelketten, die eine oder andere Skipiste und später auf der Fahrt auch auf den See Torneträsk.

Spätestens hier ist übrigens der Moment gekommen in dem so gut wie alle Touristen ihre Kamera zücken und an die Zugfenster stürmen. Die Aussicht ist aber auch wirklich schön und wenn ihr so durch die unberührte Natur fahrt, bekommt ihr tatsächlich das Gefühl in der letzten echten Wildnis Europas angekommen zu sein.

Ausblick auf den See Torneträsk
Ausblick auf dem See Torneträsk

In Abisko gibt es zwei Bahnhöfe. Zum einen Abisko Östra, zum anderen die Abisko Tourist Station. Überprüft rechtzeitig, wo eure Unterkunft liegt, um einen unnötigen Spaziergang durch die Eiseskälte zu vermeiden.

Kleine Anmerkung am Rande: Es gibt auch einen Nachtzug der direkt von Stockholm ohne Umstieg in Boden nach Abisko und Narvik durchfährt (D94). Eine weitere Alternative zu der von mir beschriebenen Route ist ein Umstieg in Uppsala im Süden Schwedens.

Wie lange brauche ich mit dem Zug nach Schweden?

Für unsere Reise mit dem Zug nach Schweden haben wir 33 Stunden benötigt. Ich gebe zu, das ist nicht unbedingt wenig. Für uns war letztlich jedoch bereits der Weg das Ziel und durch die Übernachtung im Zug kam uns die Anreise gar nicht so lang vor, wie das Lesen der nackten Zahl zunächst vermuten lässt.

Bei eurer ersten Reise mit dem Zug nach Schweden müsst ihr es auch (im Gegensatz zu uns) nicht gleich übertreiben. Malmö erreicht ihr ab Hamburg zum Beispiel schon in fünfeinhalb Stunden. Auch eine Reise nach Stockholm ist mit einer Fahrtzeit von 10:45 innerhalb eines Tages problemlos zu bewältigen.

Wie teuer ist eine Reise mit dem Zug nach Schweden?

StreckeKosten
Hamburg – Malmöab 39,90 €*
Hamburg – Stockholmab 59,90 €*
Hamburg – Abisko (Lappland)über 150,00 €*
So teuer ist eine Zugfahrt nach Schweden (*Preise aus März 2020)

Wie bereits in der Einleitung angerissen, wären wir mit dem Flieger und anschließendem Transfers günstiger nach Abisko gekommen als mit Zug. Für die Hin- und Rückfahrt ab Hannover mussten wir etwas über 300,00 Euro auf den Tisch legen. Zur Verteidigung der Deutschen und Schwedischen Bahn muss jedoch gesagt werden, dass wir relativ spontan, also erst knapp zwei Monate vor Reisebeginn gebucht haben. Mit etwas mehr Vorlaufzeit hätten wir uns eventuell noch das eine oder andere Sparangebot sichern können. Sehr viel billiger wäre es auf der Route aber vermutlich selbst mit Frühbucherpreisen nicht geworden.

Günstiger reist ihr, wenn es für euch nur in den Süden Schwedens gehen soll. Für die Verbindung von Hamburg nach Stockholm habe ich zum Beispiel ein Sparangebot der Deutschen Bahn ab 60 Euro gefunden. Bei einer Fahrt nach Malmö, wird es sogar noch etwas günstiger.

Wo finde ich die beste und günstigste Zugverbindung nach Schweden?

Nachdem wir verschiedene Vergleichsportale ausprobiert haben, sind wir für unsere Buchungen letztlich doch auf den Webseiten der Deutschen und Schwedischen Bahn gelandet. Hier müsst ihr ein wenig rumprobieren. DB-Tickets und -Sparangebote könnt ihr teilweise bis Stockholm kaufen. Eventuell ist es aber günstiger, einen Teil der Strecke bereits über SJ zu buchen.

Wenn ihr wirklich gute Vergleichsplattformen für Zugverbindungen kennt, schreibt gerne einen Kommentar, damit ich den Artikel ergänzen kann. 🙂

Mit dem Zug nach Schweden: schwedischer Zug in Lappland
Die Witterungsbedingungen machen der Schwedischen Bahn im Winter zu schaffen

Zugverspätungen in Schweden: Komme ich pünktlich an mein Reiseziel?

Wer sich Studien zur Pünktlichkeit von Zügen im internationalen Vergleich anschaut, stellt schnell fest, dass die schwedische Bahn zu den zuverlässigeren Kandidaten zählt.

Nichtsdestotrotz seid ihr auch in Nordeuropa nicht vor Zwischenfällen gefeit – wie wir am eigenen Leib miterleben durften.

Die erste Zugverspätung auf unserer Reise nach Schweden suchte uns bereits kurz nach der Deutschen Grenze auf dem Weg nach Kopenhagen heim: Über eine halbe Stunde völliger Stillstand im nirgendwo.

In Folge verpassten wir unseren Anschluss nach Malmö, was unser Zeitplan insgesamt jedoch recht gut verkraftete, da wir in Malmö einen längeren Aufenthalt hatten und in Kopenhagen einfach die nächste Verbindung Richtung Schweden nehmen konnten.

Nachtzug in letzter Minute bekommen

So richtig auf Grundeis ging es mit unseren Nerven im Zug von Malmö nach Stockholm. Auch hier saßen wir zwischenzeitlich über zwei Stunden auf der Strecke fest, während sich unsere Umstiegszeit in den Nachtzug von Stockholm nach Abisko laut Plan auf spärliche 15 Minuten belief.

Die nächste Verbindung nach Lappland wäre erst 24 Stunden später gefahren, sodass wir uns mental bereits von unseren gebuchten Foto- und Hundeschlitten-Touren in Abisko verabschiedeten.

Da die Streckensperrung glücklicherweise jedoch mehrere Züge betraf, hatten wir wahnsinniges Glück im Unglück: Unser Nachtzug in Stockholm wartete über zwei Stunden auf alle Reisenden und holte die daraus resultierende Verspätung im Laufe der Nacht sogar wieder auf.

Zugausfall zwischen Abisko und Narvik

Halogaland Brücke bei Narvik
Schöner Ausblick im Zug nach Narvik

Das Zugchaos ging in unserem Urlaub aber noch weiter. Nach drei unbeschwerten und ereignisreichen Tagen in Abisko stand für uns die Weiterfahrt nach Narvik auf dem Plan – dachten wir zumindest. Doch dann kam alles anders: Aufgrund eines Schneesturms in der vorherigen Nacht, wurden sowohl die Zug- als auch Autobahnstrecken nach Norwegen gesperrt und wir saßen anderthalb Tage in Abisko fest. Mit Mühe und Not fanden wir noch ein letztes verfügbares Hostel-Zimmer im Ort und mussten unsere ursprüngliche Reiseplanung leicht adaptieren.

Trotzdem geht ein großes Lob an die schwedische Bahn. Die Mitarbeiter im Call-Center der SJ waren wirklich hilfsbereit, buchten uns auf die nächstmögliche Zugverbindung am nächsten Tag um und baten uns, die Rechnung für die zusätzliche Hostelübernachtung bei SJ einzureichen. Die Rückerstattung hatten wir bereits wenige Tage nach unserem Urlaub auf dem Konto.

Überhaupt wirkte die schwedische Bahn auf unserer ganzen Reise gut informiert und organisiert.

Ihr seht also: Egal, ob Deutschland, Dänemark oder Schweden, vor Zugverspätungen oder Ausfällen seid ihr leider fast nirgendwo sicher. Gerade im hohen Norden von Lappland kann euch das Wetter schnell einen Strich durch die Rechnung machen. Plant deshalb besser ein bis zwei Puffer-Tage auf eurer Reiseroute ein, um auf unerwartete Zugverspätungen und Ausfällen angemessen reagieren zu können.

Mit dem Zug nach Schweden: Mein Fazit

Eine Reise mit dem Zug nach Lappland – klingt beim ersten Hören irgendwie idyllisch. In Wahrheit ist es aber ganz schön anstrengend knapp 2.400 Kilometer auf Schienen zurückzulegen (und unter uns: Nordlichter habe ich aus dem Zug auch nicht gesehen).

Trotzdem war die Reise mit dem Zug nach Schweden eine spannende neue Erfahrung, die ich ganz sicher nicht bereue und die mir gezeigt hat, dass Urlaub auch umweltschonender möglich ist als mit dem Flieger.

Und wer weiß, vielleicht geht es mit dem Zug bald schon in andere europäische Länder. Meine Liste ist ja noch lang. 🙂


Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Artikel motivieren, auch mal auf den Flieger zu verzichten und stattdessen in den Zug zu steigen. Dennoch möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich persönlich der Meinung bin, dass auch Flugreisen weiter ihre Berechtigung haben. Denn: Kultureller Austausch ist wichtig und die Arbeitsplätze im Ausland auch.


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2 Kommentar

  • Reply
    Lofoten im Winter: Wetter, Anreise, Unterkünfte & Highlights
    1. Mai 2020 at 13:16

    […] Neben den ganzen Flugverbindungen möchte ich euch eine weitere, umweltfreundlichere Anreisealternative jedoch nicht vorenthalten. Im Gegensatz zu vielen anderen Touristen haben wir den Lofoten nämlich nicht mit Flieger sondern mit Zug einen Besuch abgestattet. Los ging es im heimischen Hannover bis hoch nach Abisko in Lappland. Von dort haben wir wenige Tage später die Zugverbindung nach Narvik genommen und am Bahnhof unseren Mietwagen abgeholt. Hier geht’s zum ausführlichen Bericht: Mit dem Zug nach Schweden und Lappland. […]

  • Reply
    Abisko im Winter: Erfahrungsbericht zum Winterurlaub in Lappland
    29. Mai 2020 at 00:52

    […] wollte ich auf meiner Reise mit dem Zug nach Abisko, so wenig wie möglich mitnehmen, da ich keine Lust hatte, beim Umsteigen unnötiges Gepäck durch […]

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